Donnerstag, 9. Mai 2013

Heute vor einem Jahr

Ein Großer, wenn auch verkannt, verließ die literarische Bühne


Rainer J. Hocher, auch genannt der deutsche Bukowski, verstarb heute vor einem Jahr am 9.Mai 2012.

Er hat seinen letzten Kampf gegen den Krebs verloren. Auch wenn er sein letztes Buch „Man wird, sich an meiner erinnern“ nicht vollendete, so ist es genau die Aussage, die in den Erinnerungen seiner Leser und denen die ihm nahestanden, noch lange verweilen wird.

Hocher hatte nicht nur eine drastische Erzählsprache, nein er lebte auch danach. Geboren am 10.August 1948 in Gersfeld, Hohenstein-Ernstthal, Karl-May-Kreis, wurde ihm das Schreiben offensichtlich schon mit in die Wiege gelegt. Nach zahlreichen Jobs wie Dreher, Stahlbauschlosser, Schweißer, Versandarbeiter, kaufmännischer Angestellter bei einer praktischen Ärztin, Arbeiter auf Cottonfeldern in Arizona/ USA, Leiharbeitnehmer bei mehreren Teilzeitfirmen, Aushilfskraft auf einer Forellenfarm, beschloss er schließlich als freierschaffender Schriftsteller, sich nur noch der Literatur zu widmen.

In seinen 14 Werken wie z. B. „Abgerechnet wird zum Schluss“ oder „Die Liebe ist nur Illusion“ spiegelt sich in seinen Zeilen, eben auch sein Leben, seine Enttäuschungen, aber auch viel Freude, die er hatte, wider, und ließ seine Leser daran teilhaben.

Ich weiß noch, wie ich von ihm dieses Buch bekam, und erst einmal achtlos an die Seite legte. Bis es mir wieder Hände fiel und ich es in einem Zug verschlang. Hervorragender Schreibstil, wunderbare Sprachkunst zu Papier gebracht, wie ich es selten gelesen habe. Man muss sich an seine Art zu schreiben gewöhnen, darf nicht zu viel erwarten, aber wenn er es schafft, seinen Leser zu überzeugen, dann kann dieser davon gar nicht genug bekommen.

Sein Geburtsdatum sagt es eigentlich schon, er war ein Löwe, auch in der Literaturlandschaft und er hat es sich nicht nehmen lassen auch mal etwas scharfsinniger zu kritisieren. Wie er es auch mit meinen Krimis gemacht hatte. Zunächst musste auch ich lernen damit umzugehen, hinterher habe ich aber erkannt, dass es genau das war, was ich brauchte, seinen kräftigen Tritt ans Schienbein, verhalf mir dazu Grundlegendes im Schreiben und Tun zu ändern, was ich bis heute fortsetze.

Bedauerlich ist, dass dieser irgendwo geniale Schreiber niemals den Durchbruch geschafft hat, aber ich glaube dass wollte er auch nicht wirklich, denn er war zufrieden so, wie er lebte und so wie er schrieb.

Eine Literaturagentin (Regina Pabst-Schupke) hat einmal geschrieben: "Charles Bukowski ist dran krepiert, Hocher kriegt auch das nicht klein: Wer den eigenen Selbstmord überlebt, nennt die Dinge nur noch bei dem Namen, den sie verdienen. Er gebraucht nur jene markig-provokante Sprache, die ins Schwarze trifft. Lauwarme Kompromisse haben sich beim Überlebensakrobat Hocher - totgelebt!" (Köln im Dezember 2000)
Und genau so ist es und wird Rainer J. Hocher nicht nur in meinen Erinnerungen seinen Platz einnehmen.
Zu seinen bekanntesten Werken gehören dass bereits genannte Werk weiter oben, aber auch „Hier daheim“ – „Einen Löwen leckt man nicht die Eier“ – „Der Legale Weg“ –
Aus dem Leben eines Unmaskierten“ – „Tot-Gelebt“ & „Makulierte Verse“
Schon vergriffen sind leider „Rosen im Schnee“ & „Ausgeweidete Gefühle: Feine Episoden aus dem groben Leben“

Und um mal hier etwas von seiner schriftstellerischen Kunst wiederzugeben, habe ich mich hierfür entschieden:


SELBSTBEFRAGUNG
Durch viele Stürme haben mich Winde getragen,
und die Menschen spielten mit meinem Gefühl.
manchmal hat es mir schon die Sprache verschlagen,
und manchmal war mir auch alles zu viel.

Von vielen Sonnen bin ich gebräunt
und begriff ziemlich spät des Lebens Sinn.
Vielleicht habe ich manchmal vergessen, versäumt,
mich zu fragen, wer ich selber bin.


© Rainer J. Hocher (1948 – 2012)

Erschienen in „Makulierte Verse“ 2003 Kontrast Verlag)

„Machs gut mein alter Freund, der du mir gegenüber nie ein Blatt vor dem Mund nahmst, und dafür danke ich dir.“
Jens R. Willmann

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